IndieWebCamp Mai 2026 — drei Notizen, zwei Cocktails, eine Demo
Ein BarCamp-artiges Treffen mit fünfzehn Teilnehmer:innen, einer h-card-Live-Debug-Session und einer Demo zu webmention.io-Setup auf einem Pi 5. Was hängengeblieben ist und warum diese Treffen trotz Mastodon, Bluesky und Threads weiter wichtig sind.
Mitte Mai, ein Coworking-Space mit zwei Räumen, fünfzehn Teilnehmer:innen aus dem deutschsprachigen Indie-Web-Umfeld. Das IndieWebCamp-Format ist ein klassisches BarCamp: am Morgen schlagen die Anwesenden Sessions vor, am Vormittag laufen Diskussionen, am Nachmittag „Hack Sessions” — kleine Gruppen, die konkret etwas am eigenen Setup verbessern. Abends Cocktails in der Lobby. Drei Notizen aus dem Tag.
Notiz 1: h-card debuggen ist immer noch ein Live-Coaching
Drei Stunden zusammen mit zwei Teilnehmern an deren Personal-Homepages. Beide hatten h-card-Markup, aber beide ohne p-name als sichtbare Klasse auf dem Vornamen. Resultat: indieauth.com und webmention.io haben sie als Profile erkannt, aber ohne Namen. Im Browser sah es aus wie geplant; im Tooling-Stack der Indie-Web-Bridges fehlten Felder.
Lesson, die sich wiederholt: HTML-Markup für Microformats funktioniert nicht „ungefähr”. Die Tools — webmention.io, Bridgy, indielogin.com — sind strikt. Wer h-card setzt, muss die Felder p-name, u-photo, u-url und (für Verifikation) rel-me-Links zu Mastodon, GitHub, Bluesky korrekt platzieren. Sonst sieht das Eigenbild grandios aus, aber kein Indie-Web-Bridge erkennt einen.
Dazu kommt: die meisten SSG-Themes machen das nicht von selbst. Astro-Themes, Hugo-Themes, Eleventy-Themes — fast alle generieren bloß eine About-Seite mit <h1> und Text. Microformats 2 muss per Hand integriert oder als Custom-Theme angesetzt werden. Wir haben für dieses Treffen eine kleine Astro-Komponente geschrieben, die als Beispiel-Snippet weitergegeben wurde. Wer sie möchte, fragt unter [email protected] nach.
Notiz 2: webmention.io ist 2026 stabil — Bridgy auch
Aaron Pareckis Service webmention.io läuft seit über zehn Jahren und nimmt die Webmention-Endpoints für die meisten Personal-Sites entgegen. Sein Schwester-Projekt brid.gy postet Replies von Mastodon/Bluesky zurück als Webmention an die eigene Site. Beide Services sind 2026 stabil. Die Uptime der letzten zwölf Monate lag laut Status-Page bei über 99,9%.
Der Konsens im Raum: wer eigenes Webmention-Hosting wollte, kann mit dem Open-Source-Projekt caprover oder dem Node-Tool webmention-endpoint einen selbst-gehosteten Endpoint bauen. Für die meisten reichen webmention.io und Bridgy. Eine spannende Demo zeigte einen Pi 5 mit selbst-gehostetem Webmention-Endpoint, der über Tailscale erreichbar war — vollständig in der eigenen Hand, ohne externen Service. Aber: Aufwand-zu-Nutzen-Verhältnis ungünstig, solange Aaron sein Hosting weiter macht.
Notiz 3: POSSE läuft, aber asymmetrisch
POSSE — „Publish Own Site, Syndicate Elsewhere” — funktioniert 2026 grob für drei Plattformen:
- Mastodon — sehr gut, über Bridgy oder eigene Webhooks.
- Bluesky — funktioniert, aber die API-Stabilität ist nicht so gut wie Mastodons.
- LinkedIn/Threads/X — schwer. Kein offizielles API-Tooling für POSSE, viele Workarounds, viele kaputt nach Plattform-Updates.
Der Konsens: Mastodon und Bluesky sind das realistische POSSE-Ziel. Für die anderen Plattformen ist das Manuell-Posten der pragmatischste Weg, solange sich die Plattformen API-feindlich verhalten.
Tradition, neu betrieben
Das Treffen-Format selbst ist über zwanzig Jahre alt — Bloggertreffs, BarCamps, später IndieWebCamps. Was sich verändert hat: die Themen sind technisch dichter geworden. Wo 2007 noch über „Was ist eigentlich ein Blog?” diskutiert wurde, debuggen 2026 dieselben Leute h-cards und Webmention-Endpoints. Was gleich geblieben ist: fünfzehn Leute in einem Raum, eine improvisierte Agenda, abends Cocktails. Es funktioniert.
Wer beim nächsten Treffen dabei sein möchte: die Termine landen unter /treffen/ und im Atom-Feed dieses Hefts.